30. März 2016

Die wahre Ursache von Stress

„Ich habe zu viel um die Ohren.“ „Ich habe keine Zeit.“ „Alle wollen was von mir.“ „Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll.“

Diese Sätze kennen Sie sicher. Jeder von uns hat sie so oder ähnlich schon gedacht oder gesagt. Es sind unsere Stress-Sätze Nummer Eins. Für mehr als die Hälfte der Deutschen ist Stress Alltag.
Die Zahl der  stressbedingten psychischen Erkrankungen ist in den letzten 15 Jahren um 80% gestiegen.

Woher kommt das? Unsere Welt ist immer schnelllebiger. Es gibt immer mehr Informationen in immer kürzerer Zeit. Das Arbeitspensum steigt. Die Anforderungen an Qualität und Quantität werden immer höher. Familie und Beruf fordern uns mehr. Kurz gesagt: Der Druck von Außen steigt.

Aber stimmt das wirklich? Liegt die Ursache von Stress in unserer Umwelt? Und habe ich dann überhaupt eine Chance daran etwas zu verändern?

Ein Gedanken-Experiment


Lassen Sie uns ein kleines Gedanken-Experiment machen zum Stressfaktor „zu viel Arbeit“.
Versetzen Sie sich einmal in eine Überlast-Situation bei Ihrer Arbeit. Auf ihrem Schreibtisch stapeln sich die Ordner von zu erledigenden Aufgaben – in einem Tag ohne Überstunden nicht zu schaffen. Oder die Liste für Ihre Kundenbesuche ist so lang, dass Sie vor dem normalen Feierabend gerade mal die Hälfte erledigen können. Oder Sie sind mal wieder der Letzte in Ihrer Firma, weil so viel von Ihrer Arbeit  abhängt. Oder, oder, oder – denken Sie an Ihre spezielle Überlast-Situation.

Können Sie den Stress spüren? Wenn Sie sich tief genug in die Überlast-Situation hineinversetzen, dann können Sie sogar jetzt Ihre körperlichen Reaktionen spüren. Sind Sie verspannt? Steigt Ihr Puls? Vielleicht schlägt es Ihnen sogar auf den Magen. Ich möchte Sie nicht quälen, darum verlassen Sie diese Situation jetzt schnell wieder.

Lassen Sie uns das Experiment an einem anderen Schauplatz fortsetzten. Stellen sie sich nun Ihre Lieblingsbeschäftigung vor. Versetzen Sie sich in den Zustand, als wenn nichts im Moment wichtiger wäre. Mein Hobby ist das Bauen einer Modelleisenbahn. Wenn ich damit einmal anfange, dann kann es schon mal spät in der Nacht werden. Es gibt immer etwas zu tun. Und wenn ich damit starte, dann vergesse ich auch schon mal ein Abendessen. Haben Sie auch so ein Hobby? Auch wenn Sie es schon lange nicht mehr gemacht haben, stellen Sie sich nun diese Situation intensiv vor.

Bemerken Sie den Unterschied zu dem ersten Teil? Wie geht es Ihnen damit?

Nun, die Hobby-Situation ist auch in gewisser Weise Stress – vielleicht sogar mit ähnlichen körperlichen Reaktionen. Aber wir empfinden es nicht so. Dafür haben schlaue Menschen den Begriff „positiver Stress“ gefunden.

Der eigentliche Unterschied besteht aber darin, wie wir über die jeweilige Situation denken. Das, was den Stress auslöst, ist unsere Haltung dazu. Im Überlast-Fall könnten es Gedanken sein wie diese: „Ich sollte nicht soviel Arbeit haben. Ich sollte lieber bei meiner Familie sein. Die Anderen sollten ihren Teil auch erledigen.“ Überprüfen Sie einmal, welche Gedanken bei Ihnen den Stress auslösen.

In der Hobby-Situation haben wir solche Gedanken nicht.

Unsere Gedanken lösen Stress aus


Das, was den Stress auslöst, ist also nicht die Arbeitsmenge oder die Dauer. Es ist vielmehr der innere Widerstand, den unsere Gedanken auslösen. Wir stellen uns vor, wie etwas sein sollte, wie wir es gerne hätten. Die Realität ist aber eine andere. Dieser Unterschied von Wünschen und Realität erzeugt das Stressempfinden. Je stärker wir gegen die Wirklichkeit ankämpfen, um so mehr leiden wir unter dem Stress.

Heute wird viel von Work-Life-Balance gesprochen. Ich mag dieses Wort-Konstrukt überhaupt nicht. Als ob es einen Unterschied zwischen Arbeit und Leben gäbe. Wenn ich arbeite, lebe ich dann nicht? Und wenn ich lebe, kann ich dann nicht arbeiten? Wird das eine mehr, wird dadurch das andere weniger? Sind das zwei sich ausschließende Gegensätze?

Solange wir uns solch verwirrte Ansichten einreden, können wir gar nicht anders, als gegen das vermeintlich Schlechte anzukämpfen. Und je stärker wir uns solche Unterschiede einprägen, um so stärker wird unser Stressempfinden. Weil das, was wir uns als stressfreies (gutes) Leben vorstellen, den Kontrast zur Wirklichkeit immer größer werden lässt.

Die Lösung


Es gilt also, unsere stresserzeugenden Gedanken herauszufinden. Ein erster Ansatz ist es, auf seine Emotionen zu achten. Da wo wir Wut, Ärger, Frust, Hilflosigkeit oder Unruhe empfinden, wo wir uns deprimiert, verletzt oder traurig fühlen. Die Frage nach dem Grund für diese Gefühle offenbart die Gedanken dahinter. Diese werden anschließend neu bewertet.

Beispiel?
„Ich bin wütend auf meinen Chef, weil er mir soviel Arbeit gegeben hat, dass ich heute nicht pünktlich nach Hause gehen kann.“
Diesen Gedanken zu haben, ist vollkommen ok. Wer würde sich da nicht ärgern. Schlecht ist nur, wenn ich diesen Gedanken festhalte, mit jedem Handgriff diesen Gedanken wiederhole und später zuhause immer noch nicht loslassen kann. Die Realität ist unumstößlich: Sie haben viel Arbeit. Ihr Widerstand ist: Ich will nicht so viel arbeiten, ich will nach Haus. Da Sie die Realität nicht ändern können (die Arbeit muss erledigt werden), ist der innere Widerstand zwecklos und erzeugt Stress.

Stellen Sie sich zur Lösung folgende Fragen:
1) Was bedeutet es, diesen Gedanken zu haben? Welche Emotinen sind damit verbunden? Wie geht es mir damit? Wie verhalte ich mich in diesem Zustand Anderen (meinem Chef) gegenüber? Was ist nicht möglich zu tun? Was fällt mir schwer?
2) Was wäre, wenn ich diesen Gedanken  n i c h t  hätte? Wie geht es mir dann? Wie verhalte ich mich dann Anderen (meinem Chef) gegenüber? Was ist jetzt möglich, zu tun?

Wenn Sie den Unterschied gefunden haben, werden Sie entdecken, dass es sinnvoll wäre, diesen Gedanken nicht zu haben. Drei Überlegungen können helfen, den Stress loszuwerden:
1) Sieh, wie es ist – nicht schlechter (Realität ist: Sie haben vom Chef Arbeit bekommen.)
2) Sieh es besser. Was ist das Positive daran? (Ihr Chef traut Ihnen eine Menge zu!)
3) Mache es besser. (Sie könnten ein ruhiges Gespräch mit Ihrem Chef führen und z.B. eine Hilfe erfragen; oder die Arbeit angenehmer gestalten und sich anschließend belohnen.)

Es geht nicht darum, das übermäßige Arbeitspensum hinzunehmen. Aber seien wir mal ehrlich. Welche Chance auf Veränderung haben wir, wenn unsere Emotionen uns so gefangen nehmen, dass wir aus dem Hamsterrad keinen Ausweg mehr sehen? Darum geht es. Den Blick wieder frei zu bekommen. Für die Realität. Für mögliche Veränderung. Oder mehr Zufriedenheit mit dem, was ist.

Lassen Sie sich nichts einreden. Sogenannte stressbewältigende Techniken und Maßnahmen, die nur im Außen wirken, können bestenfalls die Symptome mildern. Packen Sie Ihren Stress statt dessen an der Wurzel und arbeiten an den Ursachen.

Mit den besten Wünschen für eine stressfreie Zeit.
Ihr Mindset-Coach
Matthias Gröne

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