20. April 2016

Glücklich, aber unzufrieden

Viele Menschen sind auf der Suche nach dem wahren Glück. Glücklich und zufrieden – das ist das erklärte Ziel vieler Teilnehmer meiner Seminare. Ihres auch?

Trotzdem schaffen es die wenigsten Menschen, beides zu erreichen. Dabei gibt es scheinbar so viele  Möglichkeiten. Wellness, Happyness, Fitness sollen die Glückshormone beflügeln. Und als neuer Trend sorgen sogenannte Feelgood-Manager auch für das Rundum-Sorglos-Paket sogar an meiner Arbeitsstelle. Man hat also erkannt, dass zufriedene Mitarbeiter offensichtlich besser sind. Aber sind sie auch glücklicher?

Es gibt jedoch einen Unterschied zwischen Glück und Zufriedenheit. In unserem Sprachgebrauch vermischen wir beides miteinander. Und das hat Konsequenzen für unser Leben.

Zufrieden?


Albert Schweitzer, der bekannte deutsch-französische Arzt und Nobelpreisträger, wurde einmal in einem Interview gefragt, was mit den Menschen heute nicht stimme. Nach einiger Zeit des Nachdenkens antwortete er: „Die Menschen denken nicht.“

Ok, eine herausfordernde Antwort. Wo wir heute doch in einer Wissensgesellschaft leben. Nie wurde soviel gedacht und geforscht wie heute. Entscheidungen werden rational begründet und getroffen. Informationen sind überall und jederzeit verfügbar. Jeder Mensch kann sich selbstbestimmt ein eigenes Bild von den Geschehnissen in der Welt machen. Unser Denkapparat ist täglich gefordert.

Was also meinte Albert Schweitzer damit? Natürlich das Nachdenken über mein eigenes Leben.

Als Kind lernen wir Lesen, Schreiben, Rechnen. Wir gehen zur Schule. Dann lernen wir vielleicht einen Beruf oder studieren etwas, um unsere Familie zu ernähren. Aber dann hört Mitte/Ende 20 das Lernen auf. Die großen Veränderungen im Leben sind bei den meisten Menschen damit vorbei.

Gut, es gibt so etwas wie Fortbildung und Karriere. Aber für „Das Leben“ lernen die wenigsten Menschen weiter. Wir haben uns angepasst, laufen mit der Masse mit, ohne zu hinterfragen.

Es ist ja auch so schön bequem. Alles ist eingerichtet. Karriere – klar. Wenn Du etwas werden willst, brauchst du nur den vorgeschriebenen Weg einhalten. Es ist für alles gesorgt. Wir leben hier und heute in einem unglaublichem Wohlstand. Wir hatten noch nie so lange friedliche Zeiten. Deutschland ist eines der reichsten Länder der Welt.

Alles wird auf dem silbernen Tablett präsentiert. Für jedes Problem gibt es eine Lösung. Selbsthilfe-Bücher, Berater, Tabletten... Und für die langweilige Freizeit gibt es eine unüberschaubare Angebotsvielfalt. Wir müssen uns nur etwas aussuchen.

Da können wir zufrieden sein. Weil wir satt sind und unsere grundlegenden Bedürfnisse gedeckt sind.

Glücklich?


Genau. Wir haben alles. Aber glücklich sind wir trotzdem nicht. Zufriedenheit macht träge. Ein Löwe, der sich satt gefressen hat, liegt faul im Schatten. So ist das nun mal. Wie heißt es: „Voller Bauch studiert nicht gern.“ Wir konsumieren unser Leben.

Menschen, die das erste mal ins Coaching kommen, erwarten häufig, dass ich ihnen einen Ratschlag oder ein Rezept für Ihr Problem präsentiere. Sie sind dann überrascht, dass sie sich selbst ihre Lösung erarbeiten sollen. Das fällt ihnen erst mal schwer und ist ungewohnt. Wenn sie sich dann aber doch darauf eingelassen haben, stellen sie mit Erstaunen fest, was alles in ihnen steckt. Die Umsetzung in eine Handlung fällt ihnen dann auch plötzlich ganz leicht. Das liegt daran, dass sie endlich angefangen haben, zu denken. Dass sie endlich – manchmal das erste Mal – ganz bei sich selbst waren. Diese Menschen sind plötzlich voller Energie.

Darum wäre der ideale Zustand doch der, glücklich zu sein aber unzufrieden. Wenn Sie glücklich sind, können Sie sich riesig freuen über das, was Sie haben. Sie können dankbar sein für Ihre Leistungen und die Segnungen, die Sie täglich erfahren. Und gleichzeitig unzufrieden sein, weil darin Ihr Wunsch liegt, etwas zu verändern und besser zu machen.

Sie könnten also z.B. sagen: „Ja, ich bin mit meinem Job nicht zufrieden. Ich weiß, dass es etwas besseres gibt. Aber ich bin trotzdem glücklich, dass ich ihn habe. Denn er ermöglicht mir, Geld zu verdienen, um mich zu ernähren. Dass ich vielleicht sogar etwas lernen kann. Bis ich soweit bin, mir einen anderen Job zu suchen, oder etwas anderes zu machen - etwas, was ich wirklich will.“

Sehen Sie den Unterschied? Unzufrieden, aber glücklich und dankbar. Das ist mal ein Paradigmenwechsel. Darin stecken riesige Chancen für Jeden. Ich lade Sie ein, es denen gleich zu tun, die den feinen Unterschied zwischen Glück und Zufriedenheit schon verstanden haben. Sie zeigen, was durch ihr außergewöhnliches Denken und Handeln möglich ist.

Unzufriedenheit ist der Motor für Veränderung aus dem Wissen heraus, dass es immer noch besser geht. Das Glück gibt uns die Kraft, diesen Motor anzutreiben.

Mit den besten Wünschen für eine glücklich-unzufriedene Zeit.
Ihr Mindset-Coach
Matthias Gröne

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