4. Mai 2016

Sie sagen mehr über sich, als Sie sagen (wollen)

Gehören Sie zu den Menschen, die ihren sprachlichen Ausdruck ganz bewusst einsetzen? Herzlichen Glückwunsch, wenn Ihnen das gelingt.

Meistens reden wir aber so, wie uns der Schnabel gewachsen ist. Es wäre doch einmal höchst interessant, uns dabei zuzuhören. Hierbei geht es mir nicht um die Stimme oder die Betonung, wenngleich das auch wichtige Elemente sind.

Vielmehr möchte ich meinen Blick auf die Worte richten, die wir wählen. Wie wir bestimmte Dinge ausdrücken, welche Metaphern wir benutzen, das sagt eine Menge darüber aus, wie wir denken, welche Entscheidungen wir treffen und was für „Typen“ wir sind.

Sind Sie bereit für die Wahrheit über sich?


Sagen Sie doch, was sie wollen


Zu Beginn eines Coachings wird der Klient in der Regel nach dem Ziel gefragt. Eine typische Frage lautet: „Was möchten Sie am Ende des Coachings erreicht haben?“ Und genauso typisch, wie die Frage, sind auch die Antworten, die ich dann erhalte:

„Ich möchte nicht mehr rauchen.“ „Ich möchte keine Schulden mehr haben.“ „Ich möchte keine Angst mehr haben.“ „Ich möchte nicht immer so schlecht gelaunt sein.“

Fällt Ihnen etwas auf? Von den zig-fachen Möglichkeiten im Leben kennen wir nun ganz genau den einen Weg, den der Klient nicht mehr gehen möchte. Die Frage ist nur, welchen Weg möchte er denn gehen? Auf die entsprechende Nachfrage kommen viele dann erst mal ins Grübeln.

Interessant. Wir alle wissen sehr schnell, was wir nicht wollen. Keinen Regen mehr. Oder keinen Stau. Das Problem ist nur, dass ich dadurch meine Gedanken immer auf den Mangel richte und nicht auf die Lösung.

Es ist nachgewiesen, dass eine Verneinung in unserer Vorstellung nicht funktioniert. Denke ich an „keinen Regen“, dann habe ich „Regen“ im Kopf. Bei „keine Angst“ denke ich an die angstauslösende Situation. „Nicht mehr rauchen“ lässt mich die Zigarette sehen.

Machen Sie einmal das Spiel in der Familie oder mit Freunden. Eine Woche weisen Sie sich auf diese Art der Verneinung hin. Und dann drücken Sie es positiv aus.

„Kein Regen“ wird zu „Sonnenschein“, „keine Angst“ zu „Mut“ und „kein Stau“ zu „freier Fahrt“.

Merken Sie, wie sich Ihre Stimmung hebt? Das ist doch alles viel kraftvoller und Zielstrebiger. Also: Sagen Sie doch einfach, was Sie wollen.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte – unsere Metaphern


Sie kennen bestimmt solche Ausdrücke, wie:

„Ich bin mit meinem Latein am Ende.“ „Man kann nicht mit dem Kopf durch die Wand.“ „Ich habe den Boden unter den Füßen verloren.“

Solche und ähnliche Bilder gebrauchen wir oft. Sie sagen etwas über unseren momentanen Zustand, aber auch über unsere grundsätzliche Haltung aus. Ist das „Latein am Ende“ bedeutet es, dass es nicht weiter geht. Wenn ich mit dem „Kopf nicht durch die Wand“ komme, dann sehe ich keinen Weg, um Hindernisse zu überwinden. Und wenn ich keine Kontrolle mehr habe, dann „verliere ich den Boden unter den Füßen.“

Welche Metaphern gebrauchen Sie? Bilder, die eher Kraftlosigkeit, Hilflosigkeit oder Resignation ausdrücken? Fragen Sie einmal Ihre Mitmenschen, welche Bilder sie immer wieder verwenden.

Lassen Sie uns diese Metaphern in kräftigende Bilder verändern. In den Beispielen oben hilft z.B. ein Wörterbuch dem Lateiner, doch noch einen Weg zu finden. Eine Tür in der Wand zeigt einen Ausweg und ein Fallschirm kann dem Fallenden die Kontrolle zurückbringen.

Durch den bewussten Einsatz von Metaphern, bzw. deren Veränderung, werden neue Möglichkeiten offenbar. So können Sie sich Lösungen nähern, die Sie sonst kategorisch ausgeschlossen hätten.

Spielen Sie mit Ihren Bildern und sie werden erstaunt sehen, dass sich etwas ändern lässt!

Versuch macht klug – oder nicht?


Mit den Teilnehmern an meinen Seminaren mache ich gerne ein kleines Spiel:

Ich bitte jemanden aufzustehen. Anschließen soll er „versuchen“, sich hinzusetzen. Die meisten setzen sich sofort hin. Dann fordere ich den Teilnehmer nochmals auf, es nicht zu tun, sondern nur zu versuchen. Dann herrscht bei der Person große Verwirrung. Man sieht, wie sie sich windet. Der Impuls, sich doch zu setzen wechselt mit dem Impuls stehen zu bleiben. Fragezeichen im Gesicht des Probanden und Erheiterung bei den anderen Teilnehmern.

Sie können selbst einmal probieren, etwas bewusst nur zu versuchen. Das Ergebnis dürfte das gleiche sein, wie im Seminar: Es geschieht nichts, da ist nur Verwirrung. 

Die Erkenntnis daraus ist: Für unser Handeln gibt es keinen Versuch. Entweder wir tun etwas, oder wir lassen es bleiben. Dazwischen gibt es nichts. Aber wie häufig gebrauchen wir solche Sätze? Beobachten Sie einmal, wie oft Sie „versuchen, weniger zu rauchen“, „versuchen, freundlicher zu sein“, „versuchen, abzunehmen“, „versuche, jemandem zu helfen“, oder…

Wenn Sie eine Entscheidung getroffen haben, etwas zu tun oder nicht zu tun, dann bringen Sie das auch bitte zum Ausdruck. Sonst ist das Scheitern schon gleich eingebaut. Fragen Sie sich dann, ob Sie das auch wirklich wollen, oder nur so sagen, um z.B. Jemandem zu gefallen.

Sie sehen: Was wir sagen, verrät eine ganze Menge über uns. Das Schöne ist aber, wenn wir bewusst die Sprache verändern, werden sich auch Veränderungen bei uns einstellen. Weil wir klarer werden in unseren Zielen, in unserer Sicht und damit auch in unserem Handeln.

Mit den besten Wünschen für Ihre klare Sprache
Ihr Mindset-Coach
Matthias Gröne



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