13. Mai 2016

Wenn die Anderen nicht tun, was sie sollen.

Ist es Ihnen schon einmal aufgefallen, wie genau Sie wissen, was gut und richtig für Ihr Leben ist? Und wie genau Sie wissen, was gut und richtig für Ihre Familie, Ihre Freunde, andere Menschen ist?

Es ist doch toll, wenn man alles im Griff hat. Wenn man seinen Kindern, Partnern, Kolleginnen und Freunden sagen kann, was und wie sie etwas tun sollen. Das verhilft denen und vor allem Ihnen zu einem harmonisches Miteinander.

Dumm ist nur, wenn die Anderen nicht das tun, was sie tun sollen. Wenn die Zahnpastatube auch nach hundertfacher Ermahnung offen liegen bleibt. Die Kollegin sich nicht abmeldet, wenn sie das Büro verlässt. Oder der Freund immer zu spät kommt.

Da ist der Konflikt schon vorprogrammiert. Woran liegt das? Es könnte doch alles so einfach sein, wenn der Andere sich nur ein wenig mehr Mühe geben würde.


Urteilen über Andere


Die Antwort ist ganz einfach: Wir mischen uns in Angelegenheiten ein, die uns nichts angehen. Wenn uns etwas nicht gefällt, suchen wir die Lösung fast immer zuerst im Andern.

Wir können wunderbar über Andere urteilen. Ganz schnell wissen wir, was gut oder schlecht ist. Und dann beharren wir auf diesem Urteil, weil wir doch recht haben – oder?

In der Bibel wird schon ganz zu Anfang in der Schöpfungsgeschichte vom Sündenfall berichtet. Die ersten Menschen essen vom Baum der Erkenntnis. Damit erlangen Sie die Fähigkeit zu unterscheiden – zu urteilen – was gut oder schlecht ist. Leider ist mit der Fähigkeit des Urteilens nicht die entsprechende Weisheit verbunden.

Das Problem ist, wir wissen nicht alles, um uns ein objektives Urteil – gerade über andere Menschen – erlauben zu können. Woher will ich denn absolut sicher sein, was richtig oder falsch ist? Woher will ich wissen, dass das, was für mich gut ist, auch für den Anderen gut ist? 

Ich habe nur ganz begrenztes Wissen. Über die Situation. Über den Anderen. Wenn zwei Menschen das Selbe sehen, sehen sie noch lange nicht das Gleiche. Da hat jeder seine eigene Sicht.

Außerdem verletze ich mit meinem Urteil die Souveränität des Anderen. Ich spreche ihm damit innerlich das Recht ab, selbst zu entscheiden oder zu handeln. Wenn ich versuche, den Anderen zu verändern, wird mein Gegenüber sich gegen diese Grenzverletzung wehren.

Drei Arten von Angelegenheiten


In ihrer faszinierenden Methode „The Work“ beschreibt Byron Katie drei Arten von Angelegenheiten:

1. Meine Angelegenheiten
Das sind die Dinge, auf die wir direkt selbst Einfluss nehmen können. Dort wo ich selbst handeln und entscheiden kann, bin ich ganz bei mir, in meinen Angelegenheiten. 

2. Deine Angelegenheiten
Das sind die Dinge, die im Einflussbereich des Anderen liegen. Dort, wo er oder sie handelt und entscheidet.

3. Gottes Angelegenheiten
Das sind alle anderen Dinge, die weder in meinem noch im Einflussbereich eines Anderen liegen, z.B. das Wetter oder Naturkatastrophen.

Wo bin ich?


Wir hoffen immer, dass Andere etwas tun sollen, damit es uns gut geht. Aber sie tun es nicht. Im Gegenteil führt das zu Unmut oder Streit. Weil ich es vom Anderen verlange und mich damit in seine Angelegenheiten einmische. Und dann tut mir niemand etwas Gutes.

Dadurch, dass wir immer zu wissen glauben, was für Andere gut ist, befinden wir uns in deren Angelegenheiten. Aber wer ist dann bei mir? 

Letztlich ist der Wunsch, der Andere muss sich so oder so verhalten, doch nur Ausdruck dessen, was ich brauche. Mein Partner braucht keine verschlossene Zahnpasta, ich brauche das. Meiner Kollegin ist es nicht wichtig, ob ich weiß, wo sie ist. Ich brauche das. Und dass meine Freund immer pünktlich ist, ist mir wichtig.

Um den Konflikt zu vermeiden, sollte ich also überprüfen, in wessen Angelegenheit ich mich befinde. Und das, was ich brauche, kann ich mit Liebe zu mir selbst ganz einfach selbst erledigen. Ohne Groll und Ärger. 

Es kann dann sogar Spaß machen, die Zahnpasta zuzuschrauben, weil ich es mit Freude für mich tue. Und mit Freude kann ich meine Kollegin fragen, wo sie hingeht. Und meinem Freund kann ich dankbar zeigen, dass ich mich freue, wenn er endlich da ist. 

Hören wir also auf, uns in fremde Angelegenheiten einzumischen. Fangen wir damit an, uns selbst zu lieben. Darin zeigt sich dann auch die Liebe zum Anderen.


Mit den besten Wünschen für Ihre Angelegenheiten
Ihr Mindset-Coach
Matthias Gröne



PS: Wenn Sie Ihre Urteile überprüfen möchten, Ihre Stress und Konflikte erzeugenden Gedanken verändern möchten, dann lade ich Sie herzlich ein, mit mir „The Work“ auszuprobieren. Das geht ganz einfach auf einem meiner Seminare oder in einem Coaching. Nehmen Sie Kontakt zu mir auf.

Kommentare:

  1. Oder noch einfacher runtergebrochen: akzeptiere andere wie sie sind und lasse sie da in Ruhe. Verbiege dich selbst auch nicht und alles ist gut. Oder leb halt alleine :-)

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  2. Wenn mir wichtig ist, dass mein Freund pünktlich da ist, kann ich mich nicht freuen, wenn er endlich da ist. Sorry so funktioniert das nicht. Wir leben alle in einem sozialen Gefüge und wenn es mein Freund ist, finde ich es mehr als Freundschaftlich, wenn er meine Wünsche nach Pünktlichkeit in sein Verhalten einbezieht. Schließlich beziehe ich seine Wünsche (z. Bsp, welcher Film im Fernsehen geschaut wird) auch in mein Verhalten ein.

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    1. Nun, wie geht es Ihnen denn gefühlsmäßig damit (ganz ehrlich)? Wäre es nicht viel schöner, etwas zu tun oder zu geben, ohne auf eine Gegenleistung zu hoffen, die dann enttäuscht wird?
      Letzlich bleibt es dabei: ob Ihr Freund nach Ihren Wünschen handelt oder nicht, ist nun mal seine Angelegenheit. Wenn Sie enttäuscht werden, ist das wiederum Ihre Angelegenheit.
      Und wie freundschaftlich ist es denn wirklich, wenn man einem Anderen seine Wünsche auferlegt, nur damit es mir gut geht?
      Wenn Sie seine Wünsche erfüllen, dann seien Sie doch auch ganz bei sich und machen es, weil es IHNEN wichtig ist. Punkt. Das ist freundschaftlich und liebevoll. Auch für sich selbst.
      Denn wenn wir meinen, nur durch die Erfüllung unserer Bedingungen, ist der Andere dafür verantwortlich, dass ich glücklich bin, das funktioniert nach meiner Beobachtung einfach nicht. Nie.
      Also bleibe ich in meinen Angelegenheiten, bin entspannt (auch wenn er zu spät kommt) und kann dann eine gute (Liebes-)Beziehung haben, weil einfach kein Groll da ist.

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